Schnee- und Windlast verstehen

Redaktion Überdachungsfinder · Veröffentlicht: · Zuletzt geprüft: · 5 Min. Lesezeit

Die Kurzantwort

Die Schneelast gibt an, wie viel Schnee ein Dach tragen kann, meist in Kilonewton je Quadratmeter (kN/m²). Wie viel Schnee an Ihrem Standort anzusetzen ist, hängt von der Schneelastzone und der Geländehöhe ab. Die Windlast hängt von der Windzone und der Lage ab. Vergleichen Sie die Herstellerangaben im Datenblatt mit den Werten für Ihren Standort; ob ein Dach reicht, beurteilt im Zweifel ein Fachbetrieb oder eine Statikerin.

In vielen Datenblättern von Terrassenüberdachungen und Carports steht eine Zahl, die man leicht überliest: die Schneelast, oft auch die Windlast. Sie sagt aus, welche Belastung das Dach laut Hersteller aufnehmen kann. Ob das genügt, hängt davon ab, wo Ihr Haus steht. Dieser Ratgeber erklärt die Begriffe allgemein, damit Sie Herstellerangaben einordnen können. Eine statische Berechnung für Ihren Standort ersetzt er nicht.

Was bedeutet Schneelast?

Die Schneelast ist das Gewicht des Schnees, der auf einem Dach liegen kann. Sie wird meist in Kilonewton je Quadratmeter angegeben (kN/m²). Ein Kilonewton entspricht grob der Gewichtskraft von rund 100 Kilogramm. Eine Angabe von 1 kN/m² bedeutet also vereinfacht, dass jeder Quadratmeter Dach etwa 100 Kilogramm Schnee tragen soll.

Wie schwer Schnee ist, hängt stark von seiner Art ab. Frischer Pulverschnee ist leicht, nasser oder verdichteter Schnee deutlich schwerer. Deshalb rechnet man im Bauwesen nicht mit der Schneehöhe, sondern mit festgelegten Lastannahmen.

In Deutschland sind die Schneelasten in der Norm DIN EN 1991-1-3 mit nationalem Anhang geregelt. Das Land ist darin in Schneelastzonen eingeteilt: Zone 1, 1a, 2, 2a und 3. Zu Zone 3 gehören zum Beispiel die Alpen, der Bayerische Wald, der Thüringer Wald, das Erzgebirge, der Harz und Vorpommern. Innerhalb einer Zone steigt die anzusetzende Last mit der Geländehöhe: Ein Haus in den Bergen muss mit mehr Schnee rechnen als eines im Tal derselben Zone.

Was bedeutet Windlast?

Wind drückt auf ein Dach und saugt an ihm. Bei Terrassenüberdachungen und Carports ist besonders der Sog wichtig: Wind, der unter das Dach fährt, kann es von unten anheben. Deshalb sind Verankerung im Fundament und Befestigung an der Wand so wichtig.

Auch für Wind gibt es eine Norm, den Eurocode 1 (EN 1991-1-4), und eine Einteilung Deutschlands in Windzonen. An der Küste und auf exponierten Lagen weht es stärker als im Binnenland. Hinzu kommt die örtliche Lage: Ein Dach auf einem freien Hügel ist stärker belastet als eines zwischen Häusern.

Herstellerangaben richtig lesen

Viele Hersteller geben im Datenblatt eine Schneelast an, manchmal mit dem Zusatz, für welche Schneelastzone oder bis zu welcher Geländehöhe das Dach ausgelegt ist. Manche nennen auch eine Windlast oder eine Windzone. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Einheit: kN/m² oder kg/m²? Beides kommt vor. Rechnen Sie im Zweifel um oder fragen Sie nach.
  • Bezug: Gilt die Angabe für die ganze Baureihe oder für eine bestimmte Größe? Größere Tiefen und Breiten können die zulässige Last senken.
  • Dacheindeckung: Ein Glasdach und ein Dach mit Stegplatten können unterschiedliche Werte haben.
  • Bedingungen: Oft gilt die Angabe nur mit bestimmten Pfostenabständen, Fundamenten oder Befestigungen. Das steht in der Anleitung.

Fehlt eine Angabe, fragen Sie beim Hersteller nach, bevor Sie in einer schneereichen oder windigen Gegend kaufen. Wir zeigen Schnee- und Windlast so, wie der Hersteller sie nennt, und bewerten nicht, ob sie für einen bestimmten Standort reicht.

Was Sie selbst tun können

  • Standort klären: In welcher Schneelastzone und Windzone liegt Ihr Haus, und auf welcher Höhe? Ein Fachbetrieb oder das Bauamt kann Ihnen das sagen.
  • Reserve einplanen: Wer in einer Region mit viel Schnee wohnt, wählt ein Dach mit höherer Schneelast.
  • Schnee räumen: Liegt mehr Schnee auf dem Dach, als es tragen soll, entfernen Sie ihn vorsichtig mit einem weichen Schieber, ohne die Eindeckung zu beschädigen. Steigen Sie dazu nicht auf das Dach.
  • Bei Sturm sichern: Fahren Sie Markisen ein, nehmen Sie Stoffdächer und Sonnensegel ab und schließen Sie Schiebewände so, wie es der Hersteller empfiehlt.
  • Befestigung prüfen: Kontrollieren Sie gelegentlich Schrauben, Anker und Pfostenträger.

Wann Fachleute gefragt sind

Ob eine Überdachung für die Lasten an Ihrem Standort ausreicht, ist eine statische Frage. Bei großen Dächern, schweren Glasdächern, schneereichen Lagen oder unklarer Wand sollte ein Fachbetrieb oder eine Statikerin das beurteilen. In Hessen verlangt die Bauordnung bei verfahrensfreien Terrassenüberdachungen ausdrücklich eine Bescheinigung der statisch-konstruktiven Unbedenklichkeit, bevor gebaut wird; Einzelheiten im Ratgeber Terrassenüberdachung und Carport: Wann ist eine Baugenehmigung nötig?.

Passende Modelle

Terrassenüberdachungen mit Angaben zu Schnee- und Windlast im Datenblatt finden Sie unter Terrassenüberdachungen, Carports unter Carports. Die Werte stehen im Detailfenster jedes Modells, sofern der Hersteller sie nennt.

Passend zum Artikel

Terrassenüberdachungen

Häufige Fragen

Wie viel Schneelast braucht meine Überdachung?

Das hängt von Schneelastzone und Geländehöhe Ihres Standorts ab. Eine allgemeine Zahl für ganz Deutschland gibt es nicht. Fragen Sie im Zweifel einen Fachbetrieb.

Was passiert, wenn zu viel Schnee auf dem Dach liegt?

Wird die zulässige Last überschritten, können sich Sparren durchbiegen oder Teile beschädigt werden. Räumen Sie schweren Schnee deshalb rechtzeitig und vorsichtig vom Boden aus ab.

Sind kg/m² und kN/m² dasselbe?

Nein. 1 kN/m² entspricht grob 100 kg/m². Achten Sie beim Vergleich darauf, welche Einheit der Hersteller nennt.

Hält eine Markise Wind aus?

Markisen sind nur bis zu einer bestimmten Windstärke ausgelegt. Fahren Sie sie bei aufkommendem Wind ein. Was ein Modell verträgt, steht in der Anleitung.

Weiterlesen

So finanzieren wir uns

Überdachungsfinder ist kostenlos. Kaufen Sie über einen Link zu einem unserer Partnershops etwas, erhalten wir eine Provision. Für Sie ändert sich am Preis nichts – und auf die Auswahl hat die Provision keinen Einfluss.

Wie wir arbeiten