Anlehndach oder freistehend?

Redaktion Überdachungsfinder · Veröffentlicht: · Zuletzt geprüft: · 5 Min. Lesezeit

Die Kurzantwort

Ein Anlehndach wird hinten an der Hauswand befestigt und steht vorne auf Pfosten; es braucht weniger Fundamente, aber eine tragfähige Wand und einen dichten Wandanschluss. Eine freistehende Überdachung steht auf eigenen Pfosten an allen Ecken; sie entlastet die Wand und kann überall im Garten stehen, braucht dafür mehr Fundamente. Entscheidend sind Wand, Lage der Terrasse und gewünschter Platz.

Bevor Sie Breite, Material oder Dach wählen, steht eine Grundsatzfrage: Soll die Überdachung an der Hauswand hängen oder frei stehen? Beide Bauarten schützen vor Regen, unterscheiden sich aber in Aufbau, Statik und Einsatzort. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede und zeigt, welche Fragen Sie vorher klären sollten.

Das Anlehndach

Ein Anlehndach, auch Wandanschlussdach genannt, ist die häufigste Bauart. Hinten sitzt ein Wandprofil an der Hauswand, vorne tragen zwei oder mehr Pfosten eine Rinne. Die Sparren laufen von der Wand zur Rinne und fallen leicht nach vorne ab. Regenwasser fließt so von der Hauswand weg in die Rinne und über ein Fallrohr nach unten.

Vorteile: Weil die Wand einen Teil der Last trägt, braucht ein Anlehndach nur vorne Fundamente. Die Terrasse bleibt zum Haus hin offen, ohne Pfosten im Weg. Der Übergang von Wohnzimmer zur Terrasse ist geschützt, auch bei Regen.

Worauf Sie achten müssen: Die Hauswand muss das Dach tragen können, samt Schnee und Wind. Massives Mauerwerk ist meist gut geeignet, wenn Anker und Dübel dazu passen. Bei gedämmten Fassaden (Wärmedämmverbundsystem) reicht ein normaler Dübel nicht, weil die Dämmung nicht trägt. Dafür gibt es spezielle Befestigungen. Ob Ihre Wand geeignet ist und wie befestigt wird, steht in der Montageanleitung; bei Unsicherheit prüft das ein Fachbetrieb.

Ein weiterer Punkt ist der Wandanschluss. Zwischen Wandprofil und Fassade darf kein Wasser eindringen. Je nach Modell gehört eine Abdichtung oder ein Abdeckprofil dazu. Und schließlich die Höhe: Das Wandprofil muss über Fenstern, Türen und Rollladenkästen sitzen, und vorne muss noch genug Durchgangshöhe bleiben.

Die freistehende Überdachung

Eine freistehende Überdachung steht auf eigenen Pfosten, meist vier oder mehr. Sie hat keine Verbindung zur Hauswand und kann deshalb überall auf dem Grundstück stehen: als Sitzplatz im Garten, über dem Whirlpool, als Unterstand für den Grill oder neben dem Haus, wenn die Wand nicht belastet werden soll.

Vorteile: Die Fassade bleibt unberührt. Das ist praktisch bei gedämmten Wänden, bei Mietshäusern oder wenn an der Wand Fenster, Leitungen oder Lampen im Weg sind. Sie sind beim Standort frei.

Worauf Sie achten müssen: Eine freistehende Überdachung braucht mehr Fundamente, an jedem Pfosten eines. Sie muss sich selbst gegen Wind aussteifen, oft durch Kopfbänder oder steife Eckverbindungen. Steht sie direkt am Haus, bleibt zwischen Dach und Wand ein Spalt, durch den Regen fallen kann; manche Hersteller bieten dafür Abdeckprofile an. Auch hier gilt: Die Angaben zu Schnee- und Windlast stehen im Datenblatt.

Der Vergleich im Überblick

MerkmalAnlehndachfreistehend
BefestigungHauswand plus Pfosten vornenur Pfosten
Fundamentewenigeran jedem Pfosten
Wandmuss tragfähig seinwird nicht belastet
Standortdirekt am Hausüberall auf dem Grundstück
Regen am Hausdicht über WandanschlussSpalt zur Wand möglich

Regenwasser und Nachbarn

Bei beiden Bauarten fließt das Wasser über eine Rinne ab. Planen Sie vorher, wohin es geleitet wird: in einen Kanalanschluss, eine Regentonne oder eine Versickerung. Es sollte weder an die Hauswand zurücklaufen noch auf das Nachbargrundstück. Steht die Überdachung nah an der Grenze, gelten außerdem die Regeln zu Abstandsflächen Ihres Bundeslands. Mehr dazu im Ratgeber Terrassenüberdachung und Carport: Wann ist eine Baugenehmigung nötig?.

So entscheiden Sie

  1. Wo soll das Dach stehen? Direkt am Haus spricht für ein Anlehndach, ein Platz im Garten für eine freistehende Lösung.
  2. Was trägt die Wand? Bei gedämmter Fassade oder unklarem Mauerwerk vorher prüfen lassen oder freistehend bauen.
  3. Was liegt an der Wand? Fenster, Rollläden, Lampen, Leitungen und Fallrohre bestimmen, wo ein Wandprofil sitzen kann.
  4. Wie viele Fundamente sind möglich? Unter einer bestehenden Terrasse sind zusätzliche Fundamente oft aufwendig.

Passende Modelle

Beide Bauarten finden Sie unter Terrassenüberdachungen; im Filter Bauart wählen Sie Anlehndach oder freistehend. Freistehende Lösungen mit drehbarem Dach gibt es außerdem bei den Pergolen und Pavillons.

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Häufige Fragen

Kann ich ein Anlehndach an einer gedämmten Fassade befestigen?

Das ist möglich, braucht aber besondere Befestigungen, die die Last durch die Dämmung ins Mauerwerk leiten. Normale Dübel reichen nicht. Lassen Sie die Befestigung im Zweifel von einem Fachbetrieb planen.

Ist eine freistehende Überdachung weniger stabil?

Nicht grundsätzlich. Sie muss sich aber selbst gegen Wind aussteifen. Entscheidend sind Konstruktion, Fundamente und die Lastangaben des Herstellers.

Brauche ich für das Anlehndach die Erlaubnis des Vermieters?

Wenn Sie zur Miete wohnen oder das Haus zu einer Eigentümergemeinschaft gehört, sprechen Sie Bohrungen in der Fassade und das Dach vorher mit dem Vermieter oder der Gemeinschaft ab. Eine freistehende Lösung greift weniger in das Gebäude ein.

Wie hoch muss der Wandanschluss sitzen?

Das ergibt sich aus der gewünschten Durchgangshöhe vorne, der Tiefe des Daches und dem Gefälle, das der Hersteller vorgibt. Rechnen Sie von der Höhe vorne die Neigung über die Tiefe zurück bis zur Wand.

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